Lastspitzen senken – der teuerste Moment des Jahres
Bei einem leistungsgemessenen Anschluss zahlen Sie nicht nur für das, was Sie verbrauchen, sondern auch dafür, wie hart Sie es abrufen. Ein einziger ungünstiger Moment kann zwölf Monate lang Geld kosten.
Wie der Leistungspreis entsteht
Bei registrierender Leistungsmessung zeichnet Ihr Zähler den Verbrauch in kurzen Intervallen auf. Aus diesen Werten wird ermittelt, wie hoch Ihre höchste Leistungsaufnahme im Abrechnungszeitraum war. Diese Spitze wird mit einem Preis je Kilowatt multipliziert – das ist der Leistungspreis.
Der entscheidende Punkt: Es zählt der Maximalwert, nicht der Durchschnitt. Ob dieser Wert einmal im Jahr erreicht wurde oder täglich, spielt für die Rechnung keine Rolle.
Warum das so weh tut
Stellen Sie sich einen Betrieb vor, der normalerweise gleichmäßig läuft. An einem einzigen Tag werden mehrere große Maschinen gleichzeitig angefahren, weil es gerade eilig war. Diese eine Viertelstunde setzt den Maßstab – und wird über Monate mitbezahlt, obwohl sie sich nie wiederholt hat.
Genau deshalb steckt bei energieintensiven Betrieben oft mehr Einsparung in der Spitze als im Arbeitspreis. Und genau deshalb kann ein Tarifrechner Ihnen hier nicht helfen.
Wo Spitzen typischerweise entstehen
- Gleichzeitiges Anfahren nach Betriebsbeginn, Pause oder Wochenende – der häufigste Fall.
- Große Antriebe im Anlauf – Sägen, Pressen, Kompressoren ziehen beim Start ein Vielfaches ihrer Dauerleistung.
- Kälte an heißen Tagen – wenn alle Aggregate gleichzeitig auf Volllast gehen.
- Elektrische Heizprozesse – Öfen, Trockner, Durchlauferhitzer.
- Neue Verbraucher – allen voran Schnellladepunkte für E-Fahrzeuge, die schlagartig sehr viel Leistung ziehen.
Was sich dagegen tun lässt
Zeitversetzt anfahren. Die wirksamste und billigste Maßnahme überhaupt: Großverbraucher nicht gleichzeitig starten, sondern gestaffelt. Das kostet oft nichts außer einer Absprache.
Sanftanlauf und Frequenzumrichter. Reduzieren den Anlaufstrom großer Antriebe deutlich. Lohnt sich meist ohnehin, weil es auch die Mechanik schont.
Lastmanagement. Eine Steuerung, die erkennt, wann eine Schwelle erreicht wird, und einzelne Verbraucher kurz zurücknimmt. Besonders sinnvoll dort, wo Ladeinfrastruktur dazukommt – ohne sie bestimmt jeder Ladevorgang Ihre Jahreshöchstlast.
Erst messen, dann investieren. Bevor Sie Geld ausgeben: Schauen Sie sich Ihren Lastgang an. Oft zeigt sich, dass die Jahresspitze durch einen einzigen, vermeidbaren Vorgang entstanden ist.
Was das mit dem Vertrag zu tun hat
Eine Menge. Bei leistungsgemessenen Anschlüssen ist nicht nur der Arbeitspreis verhandelbar, sondern auch das Verhältnis zwischen Arbeits- und Leistungspreis. Welche Aufteilung für Sie günstiger ist, hängt an Ihrem Profil: Wer eine flache Kurve fahren kann, fährt mit einem höheren Leistungspreisanteil oft besser – wer harte Spitzen nicht vermeiden kann, umgekehrt.
Deshalb fragen wir bei diesen Anschlüssen nach dem Lastgang. Wie Sie ihn bekommen, steht unter RLM und Lastgang.