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Ratgeber

Ausschreiben, in Tranchen kaufen oder vermitteln lassen?

Ab einer gewissen Größe stellt sich nicht mehr nur die Frage nach dem Anbieter, sondern nach dem Weg. Hier die drei üblichen Modelle – mit einer ehrlichen Einordnung, ab wann sich welches lohnt.

Vollversorgung zum Festpreis

Der Normalfall: Ein Lieferant liefert die gesamte Menge zu einem festen Preis für die gesamte Laufzeit. Er übernimmt Beschaffung, Prognoserisiko und Ausgleichsenergie – und lässt sich das über einen Risikoaufschlag bezahlen.

Passt für: praktisch alle Betriebe bis in den unteren Millionen-Kilowattstunden-Bereich. Vorteil: eine Zahl, kein Aufwand, kein Risiko. Nachteil: Sie kaufen alles an einem einzigen Tag – und der Markt kennt gute und schlechte Tage.

Tranchenbeschaffung

Statt die ganze Menge auf einmal zu kaufen, wird sie in Teilmengen über einen längeren Zeitraum eingedeckt. Damit mitteln Sie den Einkaufspreis und sind nicht davon abhängig, wie der Markt ausgerechnet an Ihrem Abschlusstag steht.

Passt für: größere Verbraucher mit entsprechendem Volumen und jemandem im Haus, der sich kümmern kann. Vorteil: kein Stichtagsrisiko. Nachteil: mehr Aufwand, mehr Entscheidungen, und Sie brauchen jemanden, der den Markt tatsächlich verfolgt.

Die ehrliche Einordnung

Tranchenmodelle werden gerne als das „professionelle“ Vorgehen verkauft. Sie sind aber nur dann besser, wenn jemand sie auch aktiv betreut. Ein Tranchenmodell, das niemand beobachtet, ist schlechter als ein sauber verhandelter Festpreis – weil am Ende doch alles kurz vor Fristablauf gekauft wird, nur ohne verhandelten Preis.

Eigene Ausschreibung

Sie schreiben Ihren Bedarf selbst aus und holen direkt Angebote von Lieferanten ein. Das gibt maximale Kontrolle – und bedeutet, dass Sie Lastgang aufbereiten, Anbieter ansprechen, Angebote vergleichbar machen und Vertragswerke prüfen müssen.

Passt für: große Verbraucher mit eigener Energieeinkaufsfunktion oder öffentliche Auftraggeber, die ohnehin ausschreiben müssen. Für einen Handwerksbetrieb oder ein Hotel steht der Aufwand in keinem Verhältnis – das sagen wir offen, auch wenn wir daran nichts verdienen.

Und was macht ein Vermittler?

Wir fragen den Markt für Sie ab, bringen Angebote in eine vergleichbare Form und verhandeln. Vergütet werden wir vom Anbieter, wenn ein Vertrag zustande kommt – und nur dann.

Der berechtigte Einwand dabei lautet: Wenn der Anbieter zahlt, wessen Interesse vertritt der Vermittler? Unsere Antwort: Wir hängen an keinem Anbieternetzwerk, das uns Empfehlungen vorschreibt, und wir sagen Ihnen auf Nachfrage, was wir an einem konkreten Vertrag verdienen. Wer das nicht offenlegt, hat einen Grund dafür.

Eine Faustregel

  • Bis in den mittleren sechsstelligen Kilowattstundenbereich: Vollversorgung zum Festpreis, gut verhandelt. Alles andere ist Aufwand ohne Gegenwert.
  • Darüber: Tranchen ins Gespräch nehmen – aber nur, wenn jemand sie betreut.
  • Im Millionenbereich oder bei öffentlichen Trägern: Ausschreibung wird ein Thema.

Was in Ihrem Fall passt, sehen wir an Ihrer Abrechnung und Ihrem Lastgang. Und wenn die Antwort lautet „bleiben Sie bei dem, was Sie haben“, sagen wir auch das.